„Wer morgen eine leistungsfähige Verwaltung will, muss heute um die besten Köpfe werben“
Die Fraktion Bürger für Stralsund/FDP/VR+ fordert eine grundsätzliche Neuausrichtung der Nachwuchs- und Fachkräftegewinnung beim Landkreis Vorpommern-Rügen. Mit einer Anfrage an Landrat Dr. Stefan Kerth will die Fraktion klären, ob die Kreisverwaltung für die kommenden Jahre personell ausreichend aufgestellt ist.
„Eine leistungsfähige Verwaltung entsteht nicht von allein. Wenn heute nicht genügend junge Menschen für den öffentlichen Dienst gewonnen und langfristig gehalten werden, bekommen wir morgen erhebliche Probleme bei der Erfüllung unserer Aufgaben“, erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Mathias Löttge.
Der Landkreis beschäftigt rund 1.500 Menschen und bildet derzeit rund 50 Auszubildende und Studierende aus. Im Stellenplan 2026 sind darüber hinaus 73 Stellen für Auszubildende, dual Studierende und Beamtenanwärter vorgesehen.
Für die Fraktion stellt sich deshalb die Frage, ob diese Maßnahmen angesichts des demografischen Wandels tatsächlich ausreichen.
„Wir wollen wissen, wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den nächsten zehn Jahren altersbedingt ausscheiden und wie viele junge Menschen wir benötigen, um diese Lücken zu schließen“, sagt Gerd Scharmberg. „Es geht nicht um eine Momentaufnahme, sondern um die Frage, ob der Landkreis einen Personalplan für die nächsten zehn Jahre hat.“
Die Fraktion will deshalb konkrete Zahlen zu Bewerbungen, besetzten Ausbildungsplätzen, Übernahmequoten und der langfristigen Bindung der Nachwuchskräfte erhalten.
Besonders wichtig ist für die Fraktion die Frage, warum junge Menschen sich für eine Tätigkeit beim Landkreis entscheiden und welche Gründe möglicherweise dafür sprechen, nach Ausbildung oder Studium wieder zu gehen.
„Gute Bezahlung allein wird im Wettbewerb um Fachkräfte nicht ausreichen“, erklärt Thomas Haack. „Wir müssen auch über moderne Arbeitsbedingungen, flexible Arbeitsmodelle, berufliche Entwicklungsmöglichkeiten, Digitalisierung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sprechen.“
Der Landkreis hat bereits verschiedene Ausbildungs- und Studienangebote und wirbt mit guten Übernahmechancen. Das Angebot wurde zuletzt unter anderem um den dualen Studiengang Verwaltungsdigitalisierung und -informatik erweitert.
Nach Auffassung der Fraktion muss daraus nun eine langfristige Personalstrategie werden.
„Wir dürfen nicht erst reagieren, wenn Stellen nicht mehr besetzt werden können“, so Löttge. „Wer die Kreisverwaltung zukunftsfähig machen will, muss heute dafür sorgen, dass junge Menschen sie als attraktiven Arbeitgeber wahrnehmen.“
Die Fraktion fordert deshalb vom Landrat eine konkrete Nachwuchs- und Fachkräfteplanung bis mindestens 2035. Darin sollten nach ihrer Auffassung nicht nur die voraussichtlichen altersbedingten Abgänge berücksichtigt werden, sondern auch konkrete Zielzahlen für Ausbildung, Studium, Übernahme und langfristige Mitarbeiterbindung.
Scharmberg: „Die Kreisverwaltung ist Dienstleister für fast 250.000 Menschen in unserem Landkreis. Deshalb ist die Frage, ob sie auch in fünf oder zehn Jahren ausreichend qualifiziertes Personal hat, keine interne Personalfrage – sie ist eine Frage der Zukunftsfähigkeit unseres gesamten Landkreises.“
Fraktion BfS/FDP/VR+
Kreistag Vorpommern-Rügen
