Die Fraktion Bürger für Stralsund / FDP / VR+ nimmt die jüngsten Aussagen des Landrates Dr. Stefan Kerth zur Verwaltungsreform, zur Entbürokratisierung sowie zu möglichen Personal- und Kostenreduzierungen zur Kenntnis. Grundsätzlich wird die Zielsetzung unterstützt, Verwaltungsprozesse zu vereinfachen, Bürokratie abzubauen und bestehende Strukturen kritisch zu überprüfen. Diese Diskussion ist überfällig und angesichts wachsender gesetzlicher Anforderungen auf Bundes- und Landesebene auch notwendig.
Gleichzeitig warnt die Fraktion davor, komplexe Verwaltungsrealitäten auf vermeintlich einfache Steuerungslogiken oder pauschale Einsparziele zu verkürzen. Die Erfahrung aus früheren Strukturreformen, insbesondere der Kreisgebietsreform, zeigt, dass theoretisch plausible Effizienzgewinne in der Praxis häufig ausbleiben oder sogar ins Gegenteil umschlagen können – etwa durch längere Entscheidungswege, zusätzliche Schnittstellen und steigende Belastungen im operativen Verwaltungshandeln.
Der Fraktionsvorsitzende Gerd Scharmberg betont:
„Entbürokratisierung ist richtig und notwendig. Sie darf aber nicht auf pauschale Einsparziele oder einfache Botschaften verkürzt werden. Entscheidend ist eine ehrliche und belastbare Analyse der tatsächlichen Abläufe, bevor politische Zielgrößen festgelegt werden.”
Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Mathias Löttge ergänzt:
„Wer Verwaltungsmodernisierung ernst meint, muss zunächst in die eigenen Strukturen schauen. Es reicht nicht, auf externe Rahmenbedingungen zu verweisen – wir müssen uns auch fragen, warum Bearbeitungszeiten in einzelnen Bereichen zu lang sind und wo Prozesse innerhalb der Verwaltung besser organisiert werden können.”
Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Thomas Haack ergänzt:
„Entscheidend ist, dass wir erst verstehen, wie die Abläufe tatsächlich funktionieren. Ohne eine systematische Betrachtung von Fallzahlen, Bearbeitungszeiten und Zuständigkeiten besteht die Gefahr, Reformen zu beschließen, die in der Praxis nicht wirken oder sogar zusätzliche Probleme erzeugen.”
Vor diesem Hintergrund hält die Fraktion es für zwingend erforderlich, zunächst eine umfassende und objektive Analyse der Verwaltungsprozesse im Landkreis vorzunehmen. Erst auf dieser Grundlage können belastbare Schlussfolgerungen gezogen und sinnvolle Reformschritte entwickelt werden. Pauschale Zielvorgaben oder politisch motivierte Einsparankündigungen ersetzen keine seriöse Verwaltungssteuerung.
Zugleich wird kritisch angemerkt, dass strukturelle Probleme nicht ausschließlich auf Bundes- und Landesgesetzgebung verlagert werden dürfen. Auch wenn diese einen erheblichen Einfluss haben, liegt ein wesentlicher Teil der Verantwortung für funktionierende Abläufe in der eigenen Organisation. Eine moderne Verwaltung muss daher auch intern konsequent nach Verbesserungen suchen und bestehende Prozesse kritisch hinterfragen.
Die Fraktion spricht sich deshalb für ein zweistufiges Vorgehen aus: Zunächst eine transparente Analyse der tatsächlichen Verwaltungsrealität, anschließend darauf aufbauend konkrete, praxisnahe und überprüfbare Reformmaßnahmen. Nur so lässt sich vermeiden, dass gut gemeinte Reformansätze in der Praxis ihre Wirkung verfehlen.
„Verwaltungsmodernisierung beginnt nicht mit Schlagworten, sondern mit der ehrlichen Betrachtung der eigenen Abläufe“, so die Fraktion abschließend.
Fraktion BfS/FDP/VR+
Kreistag Vorpommern-Rügen
