Die Fraktion Bürger für Stralsund / FDP / VR+ im Kreistag Vorpommern-Rügen beobachtet die laufenden Planungen zur Ausweisung weiterer Windkrafteignungsgebiete im Rahmen der regionalen Raumordnungsplanung mit großer Sorge. Aus Sicht der Fraktion droht eine Entwicklung, bei der die flächenhafte Ausweitung der Windenergie Vorrang vor einer ausgewogenen Gesamtbetrachtung von Natur, Landschaftsbild und touristischer Wertschöpfung erhält.
Vorpommern-Rügen ist eine der bedeutendsten Tourismusregionen Deutschlands. Die Attraktivität der Landschaft, insbesondere der Küsten- und Inselräume, ist dabei ein zentraler wirtschaftlicher Faktor. Eine ungeordnete oder zu stark verdichtete Ausweisung von Windenergieflächen kann nach Auffassung der Fraktion erhebliche Auswirkungen auf die touristische Entwicklung, die Aufenthaltsqualität sowie die Akzeptanz in der Bevölkerung haben.
Gleichzeitig bestehen erhebliche naturschutzfachliche Bedenken. Große Teile der Region sind durch Schutzgebiete, sensible Landschaftsräume sowie wichtige Brut- und Rastgebiete für Vogelarten geprägt. Diese Belange müssen nach Ansicht der Fraktion zwingend stärker und verbindlich in die Planungsentscheidungen einbezogen werden, statt sie nachrangig zu behandeln.
Der Eindruck verfestigt sich, dass wirtschafts- und energiepolitische Zielvorgaben zunehmend dominieren, während regionale Besonderheiten und Schutzinteressen nicht ausreichend gewichtet werden. Eine solche Entwicklung birgt nach Auffassung der Fraktion die Gefahr langfristiger Konflikte zwischen Energieausbau, Naturschutz und Tourismuswirtschaft.
Der Fraktionsvorsitzende Gerd Scharmberg betont: „Die Energiewende darf nicht gegen die Regionen durchgesetzt werden, sondern muss mit ihnen gestaltet werden. Vorpommern-Rügen ist kein Industriestandort beliebiger Art, sondern eine sensible Tourismus- und Kulturlandschaft.“
Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Mathias Löttge erklärt: „Wir brauchen eine ehrliche Flächenplanung, die nicht nur Ausbauziele erfüllt, sondern auch die tatsächlichen Folgen für Landschaft, Wirtschaft und Lebensqualität berücksichtigt. Alles andere gefährdet die Akzeptanz der Energiewende.“
Kreistagsmitglied Dr. Carmen Kannengiesser warnt: „Der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen und die touristische Entwicklung sind keine Randthemen. Sie müssen gleichberechtigt in jede planerische Entscheidung einfließen und dürfen nicht nachträglich kompensiert werden.“
Die Fraktion fordert daher eine umfassende Überprüfung der vorgesehenen Eignungsflächen unter besonderer Berücksichtigung von Naturschutz, Landschaftsbild und touristischer Infrastruktur sowie eine frühzeitige und transparente Einbindung der kommunalen Ebene und der regionalen Akteure in den Planungsprozess.
Fraktion BfS/FDP/VR+
Kreistag Vorpommern-Rügen
