Die Fraktion Bürger für Stralsund / FDP / VR+ kritisiert die jüngst in Medien verbreiteten Forderungen von Forschern, bereits heute über den „Rückzug“ aus besonders exponierten Küstenorten nachzudenken, als politisch verantwortungslos und gesellschaftlich gefährlich. Die Debatte werde in einem Land geführt, das gleichzeitig Milliarden in das Ausland transferiert und dreistellige Milliardenetats für die Aufrüstung beschließt — aber beim Schutz der eigenen Bevölkerung im Küstenraum plötzlich die Perspektive „Aufgabe“ statt „Schutz“ verhandelt.
Gerd Scharmberg, Fraktionsvorsitzender:
„Es ist ein irritierendes Bild: Der Staat beweist weltweit Handlungsfähigkeit mit großen Summen — und zu Hause an der Küste diskutieren wir, ob wir unsere Orte noch verteidigen oder lieber zurückweichen. Bevor über Rückzug geredet wird, muss über konsequenten Küstenschutz gesprochen werden. Alles andere sendet ein völlig falsches Signal an die Menschen in den betroffenen Regionen.“
Die Fraktion verweist ausdrücklich auf die klare Haltung, die auch aus Landespolitik und Kommunalebene bereits formuliert wurde. Sowohl der CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag als auch der Städte- und Gemeindetag haben die Überlegungen zu Entsiedlungen zurückgewiesen und stattdessen auf die Pflicht zum Schutz verwiesen. Die technischen Möglichkeiten seien vorhanden — die Engstelle liege nicht in der Machbarkeit, sondern in der politischen Priorisierung und Finanzierung.
Mathias Löttge, stellv. Fraktionsvorsitzender:
„Wer jetzt über das Aufgeben bewohnter Gebiete nachdenkt, überspringt die entscheidende Frage: Haben wir den Schutz ausgeschöpft? Die Antwort ist eindeutig: Nein. Wir haben nicht zu viel getan — wir haben zu wenig getan. Rückzug zu diskutieren, bevor Schutz vollumfänglich versucht ist, ist politischer Leichtsinn.“
Die Fraktion warnt vor den gesellschaftlichen Folgen einer ungebremsten Entsiedlungs-Rhetorik. Solche Debatten könnten langfristig Grundstückswerte vernichten, Investitionen verhindern, Planungsprozesse blockieren, Versicherungsprämien erhöhen und Vertrauen in staatliche Verlässlichkeit zerstören — noch bevor überhaupt entschieden wurde, wie intensiv Schutzmaßnahmen ausgebaut werden sollen.
Jörg Burwitz, Kreistagsmitglied:
„Wer Entsiedlung in die öffentliche Diskussion bringt, ohne zuvor maximalen Küstenschutz eingefordert zu haben, erzeugt eine Spirale der Verunsicherung und wirtschaftlichen Schäden — und das allein durch Worte. Der Staat darf nicht durch Diskussionskulissen Fakten schaffen. Küstenorte darf man nicht kaputtreden.“
Die Position der Fraktion ist eindeutig:
- Küstenschutz ist vor Entsiedlungsdebatten auszuschöpfen
- Die öffentliche Hand hat Vorrang beim Schutz eigener Bevölkerung vor Auslandsausgaben und Symbolpolitik
- Entsiedlungs-Überlegungen richten bereits durch die Diskussion Schaden an
Fazit:
Ein Staat, der zuerst über Rückzug verhandelt, bevor er Schutz voll ausschöpft, verfehlt sein Mandat. Küsten schützen – nicht zur Disposition stellen.
Fraktion BfS/FDP/R+
Kreistag Vorpommern-Rügen
