Die Fraktion Bürger für Stralsund / FDP / VR+ im Kreistag Vorpommern-Rügen warnt mit Blick auf den aktuellen Entwurf des Landeskrankenhausgesetzes Mecklenburg-Vorpommern vor schwerwiegenden Folgen für die medizinische Versorgung im ländlichen Raum. Besonders betroffen wären das Kreiskrankenhaus Ribnitz-Damgarten, das DRK-Krankenhaus in Grimmen sowie zentrale Tourismusregionen wie Fischland/Darß/Zingst und die Insel Rügen.
Gerd Scharmberg: "Wir erleben ein Gesetz, das die Fläche aus dem Blick verliert"
„Der Gesetzentwurf gaukelt Sicherheit vor, aber er schafft Unsicherheit. Die Investitionspauschalen klingen gut – aber sie sind an Bedingungen geknüpft, die viele Häuser im ländlichen Raum gar nicht dauerhaft erfüllen können. Die Landesregierung verschiebt die Verantwortung an die Kliniken und blendet dabei die Realität vor Ort aus“, so Gerd Scharmberg, Fraktionsvorsitzender.
„Gerade Ribnitz-Damgarten ist für die medizinische Versorgung auf dem Darß unverzichtbar – ebenso wie das DRK-Krankenhaus in Grimmen für den östlichen Teil unseres Landkreises. Wer hier Leistungen ausdünnt oder Abteilungen schließt, riskiert die Gesundheitsversorgung für zehntausende Menschen – und das nicht nur für Einheimische, sondern auch für Hunderttausende Touristen jedes Jahr.”
Dr. Carmen Kannengiesser: "Tourismusregionen werden im Gesetz völlig ignoriert"
Dr. Carmen Kannengiesser, Mitglied der Fraktion, betont:
„Im Sommer explodiert die Zahl der zu versorgenden Menschen – auf dem Darß, auf Rügen, in der Region um Sassnitz oder Sellin. Diese saisonale Belastung ist enorm, aber im Gesetzentwurf taucht sie schlicht nicht auf. Es gibt keine zusätzlichen Mittel, keine personellen Zuschläge, keine Versorgungsreserven. Das ist realitätsfern und gefährlich.”
„Wenn Kliniken wie in Ribnitz oder Bergen auf Rügen gezwungen werden, Geburtshilfe oder Kinderheilkunde aus Personalmangel oder wegen fehlender Mindestfallzahlen aufzugeben, dann ist das ein Rückschritt – und zwar auf Kosten derer, die keine Alternative in der Nähe haben.”
Forderungen an die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern
1. Verbindliche Mindestversorgung garantieren
Eine flächendeckende stationäre Versorgung in maximal 30 Minuten Fahrzeit muss gesetzlich vorgeschrieben sein – insbesondere für Notfälle.
2. Tourismusregionen endlich berücksichtigen
Kliniken in stark besuchten Regionen wie Rügen, Darß/Zingst und der Boddenküste brauchen gesetzlich abgesicherte Saisonzuschläge – für Personal, Material und Notfallversorgung.
3. Bestandskrankenhäuser absichern
Krankenhäuser mit regionaler Versorgungsfunktion wie Ribnitz-Damgarten oder Grimmen benötigen langfristig garantierte Investitionsmittel – unabhängig von Bettenzahlen oder Spezialisierungsgrad.
4. Geburtshilfe und Kinderheilkunde wohnortnah erhalten
Die Versorgung junger Familien darf nicht zentralisiert werden, sondern muss gerade in Regionen mit längeren Fahrzeiten erhalten bleiben – etwa auf Rügen oder dem Darß.
Fazit
„Was wir brauchen, ist ein Krankenhausgesetz, das die Lebensrealität der Menschen in Vorpommern-Rügen ernst nimmt – und nicht eines, das sich an den Strukturen von Großstädten orientiert“, so Gerd Scharmberg.
„Gesundheitsversorgung ist keine Frage der Wirtschaftlichkeit, sondern der Verantwortung. Rügen, der Darß und unsere ländlichen Räume dürfen nicht die Verlierer dieser Reform sein.”
