Die Fraktion Bürger für Stralsund / FDP / VR+ im Kreistag Vorpommern-Rügen äußert erhebliche Bedenken hinsichtlich der geplanten Windkraftprojekte im Landkreis. Sie warnt davor, dass viele dieser Vorhaben ohne ausreichende Berücksichtigung der einzigartigen ökologischen und kulturellen Werte der Region vorangetrieben werden. Besonders betroffen sind die sensiblen Gebiete des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft sowie angrenzende Moore und Feuchtgebiete, die Lebensraum für seltene Vogelarten und geschützte Pflanzen bieten.
Mangelnde Berücksichtigung ökologischer Gutachten
„Die bisherigen Planungen zeigen deutlich, dass ökologische Folgen oft nur unzureichend geprüft werden. Es fehlt an belastbaren Gutachten und einer transparenten Darstellung der Auswirkungen auf Natur und Landschaft,” betont Gerd Scharmberg, Fraktionsvorsitzender. „Die Bevölkerung wird oft erst spät informiert, Beteiligungsprozesse bleiben unzureichend. Das ist für eine demokratische Entscheidungsfindung nicht akzeptabel.“
Ein Beispiel für unzureichende Planung ist das Windwattgebiet bei Pramort, das für Zugvögel wie Kraniche von entscheidender Bedeutung ist. Laut dem Nationalparkplan Vorpommersche Boddenlandschaft stellt dieses Gebiet einen der wichtigsten Schlafplätze für Kraniche in Westeuropa dar. Die geplanten Windkraftprojekte in unmittelbarer Nähe könnten die Zugrouten und Rastplätze dieser Vögel erheblich stören.
Gefährdung der touristischen Attraktivität
„Die Projekte gefährden nicht nur Tiere und Pflanzen, sondern auch die touristische Attraktivität unserer Region. Unkontrollierte Windkraftstandorte beeinträchtigen die Landschaftsqualität und den Erholungswert erheblich. Hier muss dringend ein verantwortungsvoller Umgang mit Natur und Wirtschaft erfolgen“, ergänzt Mathias Löttge, stellvertretender Fraktionsvorsitzender.
Der NABU Mecklenburg-Vorpommern hat bereits mehrfach zum Entwurf der Zweiten Änderung des Regionalen Raumentwicklungsprogramms Vorpommern Stellung genommen und dabei auf die Notwendigkeit hingewiesen, ökologische Belange stärker zu berücksichtigen.
Forderungen der Fraktion
Die Fraktion fordert daher, dass alle laufenden Genehmigungsverfahren gestoppt werden, bis umfassende ökologische Gutachten vorliegen. Sie verlangt eine verbindliche Einhaltung von Naturschutzstandards, frühzeitige und ernsthafte Bürgerbeteiligung sowie die Prüfung von Alternativstandorten, die weniger sensibel für Natur, Landschaft und Tourismus sind. Nur so könne die Bevölkerung Vertrauen in die Planungen fassen und irreversible Schäden an Natur und Kulturlandschaft vermieden werden.
„Es reicht nicht aus, Windkraftprojekte isoliert zu betrachten. Jeder Ausbau muss im Einklang mit dem Schutz der Natur, der Erhaltung des Nationalparks und den Interessen der Menschen vor Ort erfolgen,” erklärt Dr. Carmen Kannengiesser, Kreistagsmitglied. „Ohne eine konsequent naturschutzorientierte Planung drohen nicht nur ökologische Schäden, sondern auch langfristige Konflikte mit der Bevölkerung, die die Akzeptanz solcher Projekte dauerhaft gefährden würden.“
Fraktion BfS/FDP/VR+
Kreistag Vorpommern-Rügen
