Die langfristige Finanzierung des Deutschlandtickets ist weiter unklar — und damit auch die Zukunft eines stabilen öffentlichen Nahverkehrs in Vorpommern-Rügen. Während bundesweit über eine Neuordnung der Einnahmenverteilung diskutiert wird, stehen unsere Verkehrsunternehmen vor besonderen Herausforderungen durch saisonale Spitzen und eine außergewöhnlich hohe touristische Belastung, die bislang nicht angemessen berücksichtigt wird.
„Wir unterstützen das Ziel eines einfachen und bezahlbaren Tickets. Aber wenn die Finanzierung nicht dauerhaft gesichert ist, drohen Kürzungen im ländlichen Raum – und genau das können wir uns in Vorpommern-Rügen nicht leisten“, warnt Fraktionsvorsitzender Gerd Scharmberg.
Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht die Dimension: Allein in Zingst wurden 2024 fast 1,9 Millionen Übernachtungen gezählt, auf Rügen und Hiddensee waren es rund 6,6 Millionen. Damit zählt Vorpommern-Rügen zu den touristisch stärksten Regionen Deutschlands. Millionen zusätzliche Fahrgäste nutzen in der Hauptsaison Busse und Bahnen, oft zu Stoßzeiten und auf Strecken, die ohnehin stark belastet sind. In vielen Fällen müssen Zusatzbusse eingesetzt werden, Fahrpläne verdichtet und Personal aufgestockt werden. Diese Mehrkosten entstehen ausschließlich vor Ort, während die Einnahmen aus dem Deutschlandticket häufig überregionale Anbieter wie die Deutsche Bahn erhalten – und nicht automatisch an die kreiseigenen Verkehrsunternehmen zurückfließen.
„Touristische Spitzenzeiten verlangen mehr Fahrzeuge, mehr Personal, mehr Einsatz auch auf Nebenrouten – Kosten, die sich nicht einfach auf die Alltagskundschaft umlegen lassen. Unsere Verkehrsunternehmen dürfen dabei nicht die Verlierer sein“, betont stellvertretender Fraktionsvorsitzender Mathias Löttge.
Auch der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Thomas Haack sieht dringenden Handlungsbedarf: „Gerade in einer Urlaubsregion wie Vorpommern-Rügen muss die Politik dafür sorgen, dass das Deutschlandticket nicht zu einem Finanzloch für die kommunalen Verkehrsbetriebe wird. Ohne eine faire Beteiligung des Landes und des Bundes sind die Verkehrsangebote für Einheimische wie für Gäste gleichermaßen gefährdet.“
Die Fraktion Bürger für Stralsund / FDP / VR+ fordert deshalb vom Land Mecklenburg-Vorpommern eine klare und nachvollziehbare Offenlegung der Ticketnutzung im Landkreis, eine faire Einnahmenverteilung, die touristische Spitzen ausdrücklich berücksichtigt, sowie kurzfristige Hilfen für die Verkehrsunternehmen, um steigende Kosten in der Hauptsaison abzufedern. Darüber hinaus braucht es eine langfristige Finanzierungsvereinbarung mit dem Bund, damit Planungssicherheit über 2025 hinaus besteht.
Mobilität ist Daseinsvorsorge. Im Landkreis Vorpommern-Rügen bedeutet sie nicht nur die Sicherung von Arbeitswegen und Alltagsverbindungen, sondern auch die Bewältigung enormer Touristenströme, die unsere Region wirtschaftlich prägen. Ohne verlässliche Finanzierung droht eine Schwächung des öffentlichen Nahverkehrs – mit negativen Folgen für Einheimische wie für Gäste.
Fraktion Bürger für Stralsund / FDP / VR+
Kreistag Vorpommern-Rügen
