Die Fraktion Bürger für Stralsund / FDP / VR+ im Kreistag Vorpommern-Rügen fordert eine klare politische Entscheidung zur Zukunft des Erinnerungs- und Bildungsortes Prora. Die jüngste Erklärung des Vereins DenkMALProra zeigt in großer Deutlichkeit, dass zentrale historische Relikte, zivilgesellschaftliche Initiativen und pädagogische Projekte seit Jahren unter struktureller Vernachlässigung leiden – obwohl Prora als Ort der „doppelten Geschichte“ von NS-Diktatur und DDR-Unrecht bundesweit einzigartig ist.
Stillstand trotz Engagement – ein historisch bedeutender Ort verliert an Substanz
Trotz der Anstrengungen engagierter Bürgerinnen und Bürger wurden in den vergangenen Jahren wesentliche Chancen verpasst:
- Denkmalgeschützte DDR-Relikte bleiben konservatorisch unzureichend betreut,
- Block V weist weiterhin eine erinnerungspolitische Brache auf,
- vorbereitete Bildungsprojekte wurden eingefroren, obwohl sie fachlich belastbar und förderfähig waren,
- wichtige Einrichtungen zur DDR-Zeitgeschichte wurden durch politische Prioritätenverschiebungen geschwächt oder gingen verloren,
- und die Insolvenz des Prora-Zentrums hat eine Lücke hinterlassen, die bisher niemand schließen konnte.
Gerd Scharmberg, Fraktionsvorsitzender:
„Seit Jahren wird Prora politisch vertröstet. Wir erleben ein Verschleppen von Verantwortung, das weder den historischen Dimensionen des Ortes noch dem Einsatz der Zivilgesellschaft gerecht wird. Der Landkreis darf hier nicht länger Zuschauer bleiben, sondern muss endlich zum aktiven Gestalter werden.“
Prora als Bildungs- und Demokratieort – Verantwortung nicht weiter verschieben
Aus Sicht der Fraktion ist es zwingend notwendig, Prora als zentralen Lernort für Demokratiebildung, historische Aufarbeitung und kritische Auseinandersetzung mit autoritären Systemen zu stärken. Ein modernes Erinnerungskonzept muss sowohl die NS-Planungen des KdF-Seebades als auch die DDR-Nutzung, insbesondere die Geschichte der Bausoldaten und politisch Andersdenkenden, umfassend einbeziehen.
Mathias Löttge, stellvertretender Fraktionsvorsitzender:
„Prora ist kein Immobilienkomplex, den man beliebig umnutzen kann. Es ist ein Lernlabor für Demokratie, Freiheit und den Umgang mit Diktaturen. Wenn wir historische Verantwortung ernst nehmen, brauchen wir ein Konzept, das die gesamte Geschichte Proras erklärt – und nicht nur Ausschnitte davon.“
Lösungen liegen auf dem Tisch – sie müssen nur umgesetzt werden.
Auf Grundlage der Vorschläge von DenkMALProra sieht die Fraktion konkrete Handlungsmöglichkeiten:
- Ein Verbleib des Dokumentationszentrums im Zentrum der Blöcke,
- eine zusätzliche Außenstelle zur Vermittlung der DDR-Zeit,
- Sicherung historisch relevanter Objekte,
- ein nachhaltiges Nutzungskonzept für Block V, das Kultur, Bildung, Umweltprojekte und historische Aufarbeitung verbindet.
Dr. Carmen Kannengiesser, Kreistagsmitglied:
„Politisch-historische Bildung darf nicht von Zufällen oder wechselnden Projektförderungen abhängen. Prora bietet einen einzigartigen Zugang zu Zeitgeschichte. Gerade deshalb müssen wir Strukturen schaffen, die zuverlässig und pädagogisch qualifiziert arbeiten können.“
Brunhild Steinmüller, Mitglied im Kultur- und Bildungsausschuss:
„Prora gehört zu unserer regionalen Identität. Geschichte wurde hier in zwei Diktaturen unmittelbar erfahrbar. Diesen Ort lediglich touristisch zu betrachten wäre kulturpolitisch leichtfertig. Erinnerung braucht Orte, und Prora ist einer der wichtigsten davon.“
Appell der Fraktion
Die Fraktion Bürger für Stralsund / FDP / VR+ appelliert eindringlich an Kreisverwaltung und Landesregierung, die bestehenden Initiativen nicht länger zu ignorieren und die Verantwortung für Prora aktiv wahrzunehmen.
„Die junge Generation hat ein Recht auf verlässliche, ehrliche und umfassende historische Bildung. Wir müssen jetzt Entscheidungen treffen – für die Zukunft unseres Erinnerns.“
Fraktion BfS/FDP/VR+
Kreistag Vorpommern/Rügen
