Seit über 207 Tagen liegt die russische Eventin mit 100.000 Tonnen Rohöl unbewegt vor der Küste Rügens. Statt klarer Entscheidungen herrscht ein bürokratisches Gerangel, das dem Vertrauen in staatliches Handeln massiv schadet. Unterschiedliche Behörden liefern widersprüchliche Einschätzungen, während die Bevölkerung berechtigte Sorgen äußert – und keine konkreten Antworten erhält.
Das Bundesverkehrsministerium hält den Tanker für technisch sicher, die Berufsgenossenschaft hat das Fahrverbot bereits im Februar aufgehoben. Trotzdem bleibt das Schiff festgesetzt – angeblich wegen zivilrechtlicher Unklarheiten über die Eigentumsverhältnisse. Währenddessen warnt der Tourismusverband Rügen nachdrücklich vor den Risiken und fordert die Verlegung des Tankers in einen sicheren Hafen.
„Das Verhalten der verantwortlichen Stellen lässt jeden Anspruch auf transparente Krisenkommunikation vermissen“, sagt Dr. Carmen Kannengiesser, Mitglied des Kreistags. „Die Einschätzungen zur technischen Sicherheit werden behauptet, aber nicht nachvollziehbar erläutert – das ist keine verlässliche Grundlage für politisches Handeln.“
Für besonderes Aufsehen sorgte die Aussage von Landrat Stefan Kerth in der letzten Kreistagssitzung: Er bezeichnete ein mögliches Schadensszenario als „harmlosen festen Klumpen“. Diese verharmlosende Darstellung wird von vielen Bürgerinnen und Bürgern als fahrlässig und realitätsfern empfunden.
„Diese Region ist belastbar, aber nicht gleichgültig. Die Kritik der Rüganer ist berechtigt – wir nehmen sie ernst und teilen sie“, betont Mathias Löttge, Mitglied des Kreistags. „Die Forderung nach Verlegung des Schiffes und umfassender Information ist kein Aktionismus, sondern Ausdruck legitimer Sorge.“
Die Fraktion Bürger für Stralsund / FDP / VR+ fordert deshalb eine klare Kurskorrektur: Die Eventin muss zeitnah verlegt werden. Die tatsächliche Gefahrenlage gehört öffentlich bewertet und transparent dargestellt. Statt beschwichtigender Formulierungen braucht es klare Worte – und die Übernahme von Verantwortung durch alle Ebenen der Verwaltung. So Gerd Scharmberg, Fraktionsvorsitzender, abschließend.
